Die Methode Sehen - Urteilen - Handeln

Der Kurs lädt alle Mitglieder der Franziskanischen Familie und interessierte Menschen auf der ganzen Welt dazu ein, die Themen der heutigen Zeit aus franziskanischer Sicht und weltweiter Erfahrung anzugehen und zu bewältigen. Das im Kurs Gelernte soll also auch in die Praxis umgesetzt werden. Wenn wir uns gemeinsam darum bemühen, "gute Taten hervorzubringen", werden wir stärker spüren, Teil einer einzigen Familie zu sein.
Bei den Themen der jeweiligen Lehrbriefe gehen wir mit der Methode "Sehen-Urteilen-Handeln" vor.

Wir sehen:

Wir - das steht für alle Frauen und Männer, die sich um die praktische Umsetzung des CCFMC-Kurses bemühen
  • nehmen uns selbst wahr, unsere Verantwortung, unsere Möglichkeiten, unsere Grenzen;
  • nehmen die Wirklichkeit der Welt auf sozialer, politischer, kultureller, religiöser und kirchlicher Ebene bewußt wahr;
gleichzeitig versuchen wir den Plan Gottes zu erkennen, wie er uns in der Heiligen Schrift, in den kirchlichen und franziskanischen Dokumenten und auch in den vorliegenden Lehrbriefen des CCFMC begegnet und sich in der inneren Erfahrung bezeugt (Leben, Gewissen, Zeichen der Zeit).
Das Zweite Vatikanische Konzil fordert uns in "Gaudium et Spes" auf, aufmerksam auf die vielen Stimmen der Welt zu hören, besonders auf den Schrei der Armen. Die Konzilsväter beziehen sich auf die Welt als die Wirklichkeit. Wir werden Gutes und Schlechtes wahrnehmen. Das Gute äußert sich in solchen Handlungen, die die elementaren Sehnsüchte des Menschen speisen, und ist Zeichen für Gottes wirkliche Gegenwart in unserer Welt: kennen und erkannt werden, lieben und geliebt werden, annehmen und angenommen werden, frei sein und andere befreien ... Das Schlechte verbirgt sich hingegen in Vorgängen, die den elementaren Sehnsüchten des Menschen entgegenstehen und die scheinbare Abwesenheit Gottes anzeigen.

Wir urteilen:

Zur Beurteilung der Wirklichkeit orientieren wir uns an den Aussagen der Heiligen Schrift, der Dokumente der Kirche und des Ordens. Dieser Maßstab befähigt uns, die Wirklichkeit mit der Utopie des Gottesreiches in Beziehung zu setzen und die Notwendigkeit zur Veränderung zu erkennen.
Wo wir Mißstände entdecken, suchen wir nach ihren Gründen. Wir überlegen, welche Interessen und Ideologien dahinterstehen.
Wir werden genau prüfen, welche Situationen wir verändern möchten, und uns gleichzeitig vergewissern, daß unsere Aktionsvorhaben auch wirklich den elementaren Sehnsüchten der Menschen entsprechen. Wir sind aufgefordert, kritisch mit dem umzugehen, was uns umgibt; uns einem breiten Spektrum von Kriterien zur Beurteilung der Wirklichkeit zu öffnen; unterschiedliche und teilweise widersprüchliche Ansichten zuzulassen. Das Ziel ist die Utopie, die ideale Situation, die wir erreichen möchten und von der wir wissen, daß wir sie nie ganz erreichen können. In der Sprache der Kirche heißt dies, einen "prophetischen Standort" einnehmen. Dabei geht es nicht allein darum, soziale oder wirtschaftliche Mißstände zu beseitigen, sondern eine Atmosphäre zu schaffen, in der mehr Freude, Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden herrschen. Es geht um die Annäherung an "einen neuen Himmel und eine neue Erde".

Wir handeln:

Erkenntnis und Glaube ermutigen uns zum Handeln. In "Evangelii nuntiandi" erinnert uns Papst Paul VI., daß die Welt heute Zeugen braucht, besonders solche, die durch das vorgelebte Beispiel oder das Handeln Zeugnis ablegen. Wir Franziskaner und Franziskanerinnen und alle, die wie wir dem Vorbild von Franziskus und Klara folgen möchten, können vieles verändern, wenn wir die Anregungen aus den vorliegenden Lehrbriefen in die Tat umsetzen.
Um die ersehnte Wirklichkeit herbeizuführen, werden wir, ebenso wie Franziskus und Klara, auf die Eingebungen des heiligen Geistes achten, beständig danach verlangen, Gott, die Mitmenschen und die Schöpfung zu lieben, selbst zur Umkehr bereit sein und Ausdauer zeigen. Wir suchen nach den uns möglichen kleinen Schritten, um Veränderungen zu bewirken, um die Werte des Reiches Gottes spürbar und erfahrbar zu machen.