800 Jahre Elisabeth

Elisabeth von Thüringen


Elisabeth3Schritt für Schritt nähern wir uns dem Jubiläum der Geburt des franziskanischen Charismas 1208 / 09. Die Dramaturgie könnte nicht passender sein. 2007 begegnen wir einer der liebenswertesten Gefährtinnen der heiligen Franziskus und Klara. Wir begehen die 800 Jahrfeier (1207 – 2007) der hl. Elisabeth von Thüringen. Sie war Königs-tochter aus Ungarn, Landgräfin von Thüringen in Deutschland und franziskanische Büßerin. Sie war Fürstin, liebende Gattin, fürsorgende Mutter und Ordensfrau inmitten der Welt. Und das alles und in schier traumwandlerischer Sicherheit in einem kurzen Leben von 24 Jahren. 1231 schon starb sie, aufgezehrt von der Liebe zu Gott und den Armen; 4 Jahre danach wurde sie von Papst Gregor IX. heilig gesprochen. Sie war die erste Frau, der in der noch jungen franziskanischen Bewegung diese Ehre zu Teil wurde.

Elisabeth hat keine Schriften hinterlassen, sie hat Geschichte geschrieben durch ihr Leben. Und um dieses Leben ranken sich viele Legenden, denen es zwar an verifizierbaren Belegen fehlt, die aber doch wichtige Aspekte ihres Lebens erkennbar machen. Legenden bergen ja immer auch ein Körnchen Wahrheit. Es lohnt sich also, diesen Spuren nachzugehen. Das soll ja letztendlich der Sinn eines Jubiläumsjahres sein. Wir werden einer großen Frau begegnen und dabei auch unzweifelhaft auf die franziskanischen Wurzeln ihres vielschichtigen Lebens stoßen. Und das wiederum mag für uns ein Hinweis sein, wie wir als heutige Weggefährten der hl. Klara und Franziskus die Aktualität des franziskanischen Charismas neu entdecken können.

Wie ist es möglich, so scheinbar gegen-sätzliche Lebensentwürfe zu vereinen, und das in gerade mal 24 Jahren: behütetes Königskind, angesehene Fürstin, liebende Gattin und Mutter, mit 20 Jahren Witwe und franziskanische Büßerin? Neben vielseitigen Talenten muss es da eine alles durchdringende Grundvision geben. Von ihren Gefährtinnen erfahren wir, dass sie als Kind schon eine besondere Neigung zum Gebet hatte. Diese mystische Begabung prägte ihr Leben. Sie war also nicht nur liebende Gattin und Mutter, sie spürte, dass noch ein „Anderer" ihre ganze Hingabe und Liebe verlangte - Gott. Das war ihre Kraftquelle, ein Gott, der alle Formen der Liebe beseelte: die Liebe zum Gatten, zu den Kindern und zu den Armen.

Als sie in Eisenach die Franziskaner kennen lernte, wurde das zur immer größeren Gewissheit. Gott ist die grenzenlose Liebe, und alles im Leben ist in dieser Liebe geborgen. Es war der Geist des Franziskus, der sie getroffen hatte. Wie er wollte sie nunmehr das Evangelium zur „Form des Lebens" machen. Herabsteigen wie Gott in die Niederungen menschlichen Lebens, ein neues Denken wagen und vermitteln, den Armen Gottes Liebe erfahrbar machen, damit sein Reich der Gerechtigkeit, des Erbarmens, der Liebe und des Friedens Wirklichkeit werde.

Wenn wir 2008 / 09 dieses franziskanische Charisma wieder entdecken und beleben wollen, ist uns Elisabeth wahrlich ein Beispiel, wie das in den je eigenen Lebensumständen möglich ist. Wir sollten uns von ihr inspirieren und begleiten lassen.

Andreas Müller OFM