Papst an Volksbewegungen: „Kämpft gegen Ungleichheit!“

1 0 833425Der Begriff Solidarität wird oft missverstanden; er bedeutet mehr als nur großzügig sein. Das sagte der Papst an diesem Dienstagmittag im Vatikan. Er empfing die Teilnehmer des internationalen Treffens von Volksbewegungen, das vom Päpstlichen Friedensrat organisiert worden war. Franziskus sprach die Engagierten aus allen Teilen der Welt auf das Thema „Solidarität" an:

„Das bedeutet, denken und aktiv werden für die Gemeinschaft und einstehen für die Prioritäten des Lebens, anstatt all das tun, was nur die Inbesitznahme von Gütern ist. Solidarität bedeutet auch, dafür zu kämpfen, dass es keine Ungleichheiten und Armut oder Arbeitslosigkeit und Enteignungen gibt. Solidarität ist auch der Kampf um soziale Rechte und um die Rechte von Arbeitern."

 Das Treffen im Vatikan sei keine „Unterstützung für eine Ideologie", so der Papst in seiner zum Teil frei gehaltenen Rede. Und dennoch konnte der argentinische Papst seinen Gästen den Respekt für ihren Einsatz nicht versagen.

„Ihr arbeitet ja nicht mit Ideen, sondern mit der Realität, sozusagen. Wie ich schon oft gesagt habe: Ihr steht mit beiden Füßen auf dem Boden, und habt die Hände bei der Arbeit. ... Wir wollen, dass eure Stimme gehört wird, was leider oft nicht der Fall ist!"

„Erde, Dach überm Kopf und Arbeit", so lautete der Titel des Treffens in Rom. Angesprochen wurde eine Vielfalt von Themen; da ging es etwa um Beschäftigte in prekären Arbeitsverhältnissen, um die Rechte von Migranten oder um die Belange von Kleinbauern und Landlosen.

„Probleme beim Namen nennen"

„Es ist schon komisch, dass es in einer Welt voller Ungerechtigkeiten so viele Euphemismen gibt. Wir nennen die Probleme nicht mehr beim Namen, sondern suchen immer beschönigende Worte. Eine Person, die im Elend lebt oder hungert, nennt man dann einfach ,Straßenmensch´. Das klingt schön, nicht wahr? Doch hinter diesem Euphemismus steckt ein Verbrechen!"

Die Existenz von Volksbewegungen zeigen nach den Worten von Papst Franziskus „die dringende Notwendigkeit, unsere Demokratien zu revitalisieren". Eine Gesellschaft, bei der die „großen Mehrheiten" nicht aktiv mitgestalten dürften, habe keine Zukunft, „und dieser Protagonismus geht über die formellen Verfahren in einer Demokratie hinaus". „Keine Familie ohne Dach überm Kopf!", rief der Papst: „Kein Bauer ohne Land! Kein Arbeiter ohne Rechte! Kein Mensch ohne die Würde, die das Arbeiten verleiht!" Die Arbeit der Volksbewegungen sei „ein Segen für die Menschheit".

An der Audienz im Vatikan nahmen vor allem Vertreter von Basisorganisationen aus Lateinamerika teil, die über die Nöte der Betroffenen und ihren Kampf für mehr soziale Gerechtigkeit berichteten. Die Konferenz von Montag bis Mittwoch kam auf Anregung von Papst Franziskus zustande. Neben Basisorganisationen beteiligen sich auch Vertreter christlicher Gewerkschaften an dem Treffen. Tagungsorte sind die Päpstliche Universität Salesianum und die Alte Synodenaula im Vatikan. Bei der Papstaudienz war auch der bolivianische Präsident Evo Morales dabei.

(rv 28.10.2014 mg)